Angstträume und ihr Nutzen

Heute will ich dir einen Einblick in meine eigene Traum-Arbeit geben. Ich zeige dir, wie ich mit Alpträumen umgehe, wie mir die Analyse weiterhilft und welche Konsequenzen ich daraus ziehe. Du wirst auch sehen, wie komplex die einzelnen Symbole in einander greifen. Diese Analyse ist es, die dir keine Künstliche Intelligenz abnehmen kann. Sie zeigt dir den Eintrag im Symbollexikon, mehr aber auch nicht. 

Mein Alptraum

Alle Details zu beschreiben, würde den Rahmen sprengen, aber ich kann dir einen guten Überblick für den Anfang geben. 

Ich befand mich auf einem zweistöckigen Schiff, das innen jedoch eher wie ein Haus aussah. Es erinnert ein wenig an eine Jugendherberge. Im oberen Bereich befanden sich Schlafräume für einzelne Reisende und im unteren Bereich gab es eine große Essküche, einen Aufenthaltsraum, eine Werkstatt, einen Beratungsraum für Personal. 
Direkt am Anfang war ich mit der Leiterin des Projekts im Gespräch, da ich eine Weiterbildung dort machen wollte. Der Alptraum setzte ein, als wir uns im Quartierbereich irgendwo im Flur zusammensetzen und etwas besprechen wollten. Ich sollte eine Art Fragebogen ausfüllen. Allerdings befand sich zwischen diesem Sitzplatz und meinem Zimmer ein riesiger Phobie-Trigger. Entsprechend bekam ich Panik und sagte, ich kann nicht weiter teilnehmen, ich möchte sofort vom Schiff runter. Da wir aber noch auf dem Wasser waren, ging das nicht so einfach. 

Ich steigerte mich in meine Panik so sehr hinein, dass ich sogar die Leiterin körperlich angriff, weil sie versuchte mich zu beruhigen (mit den üblichen "hab dich nicht so"-Sprüchen, die bei mir leider oft erst recht Angst verstärken). 
Es tat mir sofort leid und ich setzte mich an eine einigermaßen angstfreie Stelle im Flur, um mich wieder in den Griff zu bekommen. Der Panik-Trigger war für mich ganz sicher nicht harmlos - aber er war in einem Kasten eingeschlossen, somit gab es keine echte Bedrohung. Ich brauchte ja nur dem Kasten fern zu bleiben. 
Die Leiterin kam dann zu mir und wir redeten. Auf einmal waren meine Katzen bei mir, mit denen ich kuscheln konnte. Dabei tauchte wieder der Trigger auf, dieses Mal zuckte ich nur zusammen, vermied hinzusehen und merkte, dass mir wieder nichts schlimmes passierte. 

Trotzdem wollte ich meine Weiterbildung abbrechen. Die Leiterin blieb dabei, dass ich zwar nicht teilnehmen müsste, aber vom Schiff runter konnte ich trotzdem nicht. Angesäuert ging ich in den unteren Bereich, wobei die Leiterin noch sagte, es gebe gleich eine Mahlzeit für alle, ich könne sie mir in der Küche holen. 
Unten angekommen war ich völlig überfordert. Der nächste Trigger. Viele Menschen, die zusammen saßen. Ein merkwürdiges System der Essensausgabe, das ich nicht verstand. Um mich nicht zu blamieren, ging ich zurück in den Flur und zur Treppe, die eine merkwürdige Form angenommen hatte. Jetzt waren es große rote Blütenblätter, auf die man steigen musste und sie hatten einen größeren Abstand. Die "Treppe" war jetzt eher eine Kletterpartie. Bevor ich einen Fuß darauf setzen konnte, stand schon ein Mädchen darauf, das sich erst noch über meine Unsportlichkeit lustig machte, im nächsten Moment aber nicht allein zur nächsten Stufe kam. Sie bat mich um Hilfe. Leider half das nicht und sie schaffte es trotzdem nicht. 
Die Leiterin tauchte wieder auf und blieb dicht vor mir stehen. Sie war groß gewachsen und half dem Mädchen mit Leichtigkeit. Ich kam mir daneben sehr klein und wieder peinlich berührt vor. 

Im letzten Abschnitt saßen wir wieder zusammen in der Küche mit den anderen Teilnehmern und ich sollte meinen Namen aus der Teilnehmerliste streichen. Das hatte ich zwar schon getan, aber das war schwer zu erkennen. Das Papier war gelb, die Handschrift mit den Namen blau und meine Streichung hatte ich kurzerhand mit einem weißen Fineliner vorgenommen, der auf dem Papier kaum zu sehen war. Ich strich alles ordentlich noch einmal durch. Danach war ich immer noch leicht angefressen, weil ich nicht einfach vom Schiff runter konnte. 
Am Ende wurde ich gebeten, mich zu einer anderen Teilnehmerin an einen extra Tisch zu setzen, wo diese eine künstlerische Aufgabe mit Pinsel und Farbe erfüllte. Ich sollte mitmalen. Die Gestaltung des Bildes war nicht vorgegeben, sodass ich widerwillig anfing, meinen Frust bei kreativer Arbeit zu verarbeiten. 

Die Kurz-Analyse

Hier kommt ein kurzer Überblick der Gedanken, die mir bei der Analyse als erstes gekommen sind. Hierfür suche ich zunächst das relevante Thema des Traums und sehe mir an, wie ich selbst damit umgegangen bin. 

In diesem Fall ging es um meinen Umgang mit Änsgten und Unsicherheit, den ich als verankerte "sichere" Verhaltensmuster auch in meinem Alltag erlebe. Da das Thema des Traums jedoch "Weiterbildung" war, liegt auf der Hand, dass ich hieraus lernen kann, diese Muster zu durchbrechen. Dazu ist es nötig, sich erst einmal mit der Ursache des Musters auseinander zu setzen. Ein Schiff, von dem man nicht mal eben fliehen kann, ist dafür perfekt. 
Die Leiterin war ein Teil von mir, der schon genau weiß, wie es besser geht, der aber noch zu wenig mit meinen üblichen Mustern zu tun hat. 
Halten wir fest: Der Auslöser der Angst war keine echte Bedrohung - anders als der T-Rex, der mich in anderen Träumen verfolgt und letztlich auch gefressen hat. Hier war ein Auslöser, mit dem ich mich hätte näher beschäftigen können, aber da dies trauma-behaftet ist, gibt es einen Grund für die Angst und den habe ich auch im Traum respektiert. Um die Lösung des Traumas ging es also nicht. 

Ich erinnere an der Stelle kurz daran, dass meine Beratung für dich genau dasselbe tut - sie zeigt dir auf, wie du im Alltag bisher mit Konflikten umgehst und was du stattdessen besser machen kannst, wobei die Ratschläge direkt aus deinem Unterbewusstsein kommen. Krankheitsursachen kann die Traum-Arbeit nicht heilen!

Letztlich habe ich im Traum gute Wege gefunden, mit meinen Gefühlen umzugehen - ich habe mich um angenehmere Gefühle bemüht, ich habe darüber mit jemandem gesprochen und ich habe meine negative Energie in gesunde Bahnen gelenkt, um sie in gute Energie zu transformieren. Auch wenn ich die Leute auf dem Schiff alle nicht mochte, bin ich nach meinem aggressiven Ausbruch mit allen gut ausgekommen. 

Die Leselupe für wesentliche Elemente

Interessant war die Farbwahl innerhalb des Schiffes. Der Flur war mit einem dunkelroten Teppich versehen, die Wände waren in hellem, pastelligen Gelb gestrichen. Die Kleidung der Leiterin ist mir erst gar nicht richtig aufgefallen. Als sie an der Treppe stand, um dem Mädchen zu helfen, war ihr Oberteil schwarz - ein deutliches Zeichen für einen Beschützer-Anteil. 
Die Schränke in der Küche waren schneeweiß, der Boden grau gekachelt. All diese Farben ergeben im jeweiligen Kontext weitere Informationen. 

Die meiste Zeit konnte ich zwar sehen, dass das Schiff viele Fenster hatte und viel Licht hinein schien, selbst hielt ich mich jedoch immer nur in fensterlosen Bereichen auf. 
Auch die Tatsache, dass ich mich anfangs für die Besprechung auf dem Flur wiederfand, statt in einem der Zimmer, zeigt, dass es um Bewegung ging und die Möglichkeit, sich für verschiedene Lösungswege der inneren Konflikte zu entscheiden. 
Warum die Treppe sich von einer normalen Holztreppe in Blüten-Stufen verwandelte, die selbst für das innere Kind schwer zu bewältigen waren, offenbart sich erst auf den zweiten Blick. Keine von uns dreien - weder das innere Kind, noch die Leiterin, noch ich waren in der Lage, die Blüten allein zu erklimmen. Wir brauchten die gegenseitige Unterstützung. Wenn alle Anteile harmonisch zusammenarbeiten, ist das Ergebnis tragfähig und bringt die persönlichen Stärken zum Vorschein. Die rote Farbe der Blüten steht im Zusammenhang mit dem Selbstbewusstsein, praktisches Handeln und Leidenschaft für das, was man tut. 

Die Küche als zentraler Ort für die abschließende Besprechung, in der ich meine Entscheidung noch einmal bewusst traf, ist der Raum zur Verarbeitung, in dem Ergebnisse erörtert und präsentiert werden. Weiß ist eine spirituelle Farbe, die Reinheit und höheres Wissen darstellt. Wie ich schon sagte, sollten wir Teilnehmer auf dem Schiff unsere Mahlzeit direkt von dieser Küche holen. 

Auch der Raum, in dem ich mich am Ende befand, war in Gelb gestrichen. Gelb steht für das Solar-Plexus-Chakra, Lebensfreude, Mut und Leichtigkeit. Am Tisch malte ich mich den Farben Gelb, Lila und Grün - für mich in diesem Kontext wiederum ein Hinweis auf beteiligte Chakren, an denen ich noch arbeiten kann bzw, die stärker entfaltet werden wollen (Solar-Plexus, Stirn-Chakra, Herz-Chakra). 

Das sind nur einzelne Aspekte, auf die ich hier näher eingehen wollte, weil sie ebenso wichtig sind und zur Gesamtbedeutung beitragen bzw. diese sogar verändern können. Die Symbole greifen in einander und bilden dadurch ein Geflecht aus Bedeutung und damit die abschließende Botschaft. 

Und was bringt mir das Wissen?

Vor allem ging es hier darum, zu erkennen, dass eine empfundene Bedrohung durchaus gerechtfertigt sein kann, aber dass meine Reaktionen darauf sich ändern müssen. Ich kann lernen, gelassener zu werden, mich selbstbewusster gegenüber verunsichernden Konflikten zu verhalten und um Hilfe zu bitten. Nicht immer führt diese Hilfe zum Erfolg, das würde ja auch mir die Arbeit an mir selbst abnehmen, aber sie kann ein wichtiger Baustein sein - wie eine Treppenstufe, die man nur dank der Räuberleiter eines anderen erklimmen kann. 

Auch die Fokussierung auf gute Gefühle und die Dinge die mich glücklich machen, ist eine starke Bewältigungsstrategie, die niemandem weh tut und Ängste kleiner werden lässt. Chakra-Meditationen waren in den letzten Jahren für mich wahnsinnig hilfreich. 

Flucht sollte das letzte Mittel sein. Übrigens war ich vor vielen Jahren in Konflikten indirekt aggressiv, an diesem Muster arbeite ich aber schon so lange, dass es mir bereits gelingt, niemanden mehr persönlich zu verletzen, weder mit Worten, noch mit Gefühlen. Man darf sich seine Fehler verzeihen und man darf seine hässliche Seite haben - so lange man sich ihrer bewusst wird und sie nach und nach transformiert. Statt wütend auf einander zu sein, kann man auch gemeinsam lachen und eine unangenehme Situation in eine schöne Erinnerung verwandeln. 

Ich hoffe, du konntest hier etwas für dich mitnehmen und freue mich darauf, von deinem Traum zu erfahren. 

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