Allem Anfang wohnt ein Ende inne

Das Mindset zu verändern, lange funktionierende Glaubenssätze oder tief verankerte Gewohnheitsmuster loszulassen, kann enorm schwierig sein und sich anfühlen, als würde man ewig auf der Stelle treten. Und das, obwohl man doch so viel dafür tut, endlich einen neuen Blickwinkel nicht nur rational zu verstehen und zu befürworten, sondern sie auch in den Alltag zu integrieren. 
Dieser Teil der spirituellen Reise zur eigenen Klarheit ist besonders wichtig, weil wir gerade hier am meisten über uns hinaus wachsen - oder jedenfalls das Potenzial dazu haben. 

Um weniger in Rätseln zu sprechen, möchte ich dir ein Beispiel geben, wie es mir über die Jahre erging und was sich verändert hat. Am Ende werde ich dir die Botschaft in einer Affirmation mit auf den Weg geben, mit der du meditieren kannst. Ich möchte, dass du zunächst nur einen Aha-Moment erlebst, wenn du dich selbst reflektierst und dann ein Ziel vor Augen hast, egal wie weit du auf deiner eigenen Reise bereits gekommen bist. 

Meine eigene Reise und die Mauer

Als Kind und auch später in meinen 20ern habe ich viele Anstrengungen unternommen, mich zu verändern, war hin und hergerissen zwischen dem wie ich wirklich war und wie ich meinte, sein zu müssen. Diese Zerrissenheit war mir lange nicht bewusst, denn ich war im Außen orientiert und hielt nur das für wahr, was man mir zutrug. 
Immer wieder habe ich versucht, im Leben einen Standpunkt zu finden, einen Halt, einen Fixpunkt, von dem aus ich losgehen und die Welt erobern konnte. Diesen konnte ich sehr lange nicht finden, egal wie sehr ich suchte. Ich lernte vieles von anderen, verstand sie aber doch niemals richtig, weil meine Wahrheit und ihre sich unterschieden. 
Diese Zerrissenheit und dieser Unterschied war eine unüberwindliche Barriere. Es war als rannte ich wieder und wieder mit festem Willen gegen eine Mauer, die niemals Schaden nahm, während ich mir Kopfschmerzen einhandelte und immer frustrierter wurde. Ich bat um Hilfe, doch die Anleitungen anderer passten nie zu dem, was in mir vorging. So verschliss ich Hilfsangebote und verlor das Vertrauen in Menschen und in mich selbst. Die Frustspirale ging in Verzweiflung und Angst über - ein Zustand, der mit den Jahren einen chronischen Überlebensmodus anheizte. 

In vielen meiner Artikel habe ich dir verschiedene konkrete Beispiele genannt - etwa Glaubenssätze aus der elterlichen Erziehung, die ich automatisch in mir weitertrug, obwohl sie nicht meine eigenen waren. So viele Menschen meinten es gut und so viele dachten, dass der Fehler in mir läge, wenn ich mich nur mehr anstrengen, nur mehr für ihre Ideen interessieren und nur mehr wie sie sein würde. 

Dieser Fehler hat mich an den Rand meiner Existenz getrieben, bis es endlich, endlich den Jackpot in meinem Leben gab und ich die richtige Hilfe für mich fand - es war ein Spiegel. Ein Spiegelbild, das mir nicht mehr sagte, wie ich zu sein hatte, sondern wie ich wirklich war und worauf es eigentlich ankam. Dieser Spiegel legte den Fokus nicht mehr auf meinen Fehler, meine Differenzen mit der Außenwelt, sondern meine innere Zerrissenheit. 

Gleichzeitig wurde der Spiegel zum Fenster in die Freiheit und zur Mauer. Denn am Ende kann man nur an sich selbst scheitern, wenn das Außen bereits bereinigt ist. 

Das Wissen um mein Anderssein hat mir zwar Entlastung gebebracht, aber ich konnte trotzdem meine Glaubenssätze von früher nicht ablegen und ich verstand nicht, warum ich sie nicht loswurde, obwohl sie mir doch schadeten. Dass sie mir schadeten, wusste ich wohl. Dennoch war dies eine Art vorgegebene Ordnung und ich sah keine Möglichkeit, diese zu verlassen. 

"In meinem Kopf sind Spiegelscherben" - dieser Satz begleitet mich seit dem ich aktiv meine Reise begann. Seit dem mir irgendwie halb bewusst war, dass es eine Antwort auf alle meine Fragen gab und diese in mir zu finden sein mussten. Ich sah mich selbst und all meine Schwächen und Stärken, aber ich sah kein ganzes Bild, sondern nur Fragmente, die niemals zusammen passten. Zerrissenheit blieb das Grundgefühl. 

Kommen wir ins Hier und Jetzt zurück. Nach all den Jahren, in denen ich nicht nur an, sondern auch mit meiner Lösung, meinem Spiegel arbeite, habe ich die Fragmente Stück für Stück zusammensetzen können und immer mehr von dem verstanden, was man mir schon viele Jahre früher im Außen mitgeteilt hatte. Ich habe gelernt, mit geschlossenen Augen in mich selbst hinein zu sehen. 

Fortschrittsbalken - wieder nur 10%

Es ist ganz offensichtlich eine Verbesserung zu erkennen, wenn ich zurück blicke. Aber ich weiß auch, dass ich noch nicht am Ende angelangt bin. Und das gibt mir ein gutes Gefühl. 
"Allem Anfang wohnt ein Ende inne" - das bedeutet, dass ich gelernt habe, dass Veränderungen auch bedeuten, dass ich Gewohntes, Sicheres, Geliebtes verlieren muss. Um besser zu werden, muss man anerkennen, dass man etwas gutes in sich trägt, aber dieses noch nicht ausreicht. Aber ich ging irgendwie ganz natürlich davon aus, dass ich bereits gut bin wie ich bin - nur dass dieses "gute" immer im Konflikt mit den Erwartungen meiner Außenwelt stand. 

Deshalb komme ich jetzt zur Botschaft dieses Artikels. 
Es mag sehr banal klingen, aber wie ich schon sagte, muss banales Wissen noch lange nicht auch verinnerlicht worden sein. 
Wenn du lernst, deine sehr kleinen Fortschritte auf dem Balken zu erkennen, wenn der leere Block sich von links nach rechts allmählich grün einfärbt und du weißt, wo du in deiner Entwicklung gerade stehst, dann ist es befreiend. Man kann inne halten, man kann den kleinen Fortschritt als riesigen Schritt wahrnehmen, wenn man sich im Kontrast dazu den Stillstand betrachtet, den man vorher erlebt hat. So geht es mir heute. Darum habe ich dir meine Geschichte beschrieben. 

Inzwischen kann ich die kleinen Fortschritte sehen, diese winzigen Prozentpunkte, die sich nach und nach ergeben. Kleine Erfolge des Alltags sind damit gemeint und auch Trainingserfolge, wenn du gerade dabei bist, alte Gewohnheiten abzulegen und dich neuen Gewohnheiten zuzuwenden, die dir besser entsprechen. 

Statt wie früher an einer Mauer des Alltags anzuhalten und frustriert aufzugeben, habe ich gelernt, in mich und mein Leben zu vertrauen und auch die "Nein"-Zeichen des Universums zu respektieren - denn sie sind es, die einen in die richtige Richtung führen. Aber darüber kann ich ein anderes Mal schreiben. 

Wenn du damit aufgewachsen bist, immer das Große Ganze zu sehen und riesige Ziele vor Augen zu haben, die für andere irgendwie so leicht umzusetzen sind, aber du dennoch das Gefühl hast, nie von der Stelle zu kommen oder nur Absagen vom Universum zu bekommen, dann ist die Botschaft für dich. 

Ich möchte, dass du ausprobierst, so wie Momo auf ihrer Flucht vor den Grauen Herren kleine Schritte zu tun und diese als Erfolge wertzuschätzen. Dankbar zu sein, wenn du ein Nein bekommst und stattdessen nach dem Ja zu fragen. Wenn du etwas nicht tun kannst, obwohl du es doch so gern wolltest, was kannst du stattdessen tun? 
Statt frustriert über die unerwünschte Planänderung zu sein, kannst du an dieser Stelle wahrnehmen, wenn du dich dem Ja zuwendest. Wie oft gelingt dir das schon? Wie oft musst du noch deine Gefühle sortieren, wenn du einen Korb bekommen hast und Dinge nicht so laufen, wie du es dir wünschst? Sind wir ehrlich, nicht nur Kinder haben diese Probleme! Auch Erwachsene haben oft ihre Gefühle nicht vollständig unter Kontrolle. Darum ist es keine Schande, sich aktiv damit zu befassen und zu lernen, sie besser zu lenken. Wenn es dir gelingt, aus dem Frustmodus in den Selbstliebe-Modus zu wechseln, wenigstens für ein paar Minuten, und deiner Intuition zu vertrauen, hast du wieder 10% auf dem Fortschrittsbalken gesammelt. Yes!  

Und jetzt heißt es anzuerkennen, dass ein Neuanfang auch mit Verlusten einher geht - weswegen es meist angenehmer ist, sich nicht in die neue Gewohnheit zu stürzen bzw. aus dieser wieder zum Alten Ich zurück zu kommen. Mache dir das bewusst und gestalte dir dein Neues Leben so angenehm wie möglich. Nicht alles was für uns gut ist, ist immer nett und komfortabel, auch so eine banale Lebensweisheit, nicht wahr. 

Damit entlasse ich dich in deine Meditation. Nimm mit, was resoniert und lass für andere liegen, was noch nicht für dich stimmig erscheint. 

Wenn dir mein Blog weiterhelfen konnte, freue ich mich über deine Erfahrungen in den Kommentaren oder per E-Mail. Let it go! 




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