Identität als Träumer

Der Mensch - jedenfalls in der westlichen Welt - definiert sich sehr häufig über das, was er tut. 
Wenn wir uns anderen vorstellen, dann erzählen wir von unserem Job, unserer Familie (Kinder lassen auf ein höheres Aktivitätslevel schließen) und von unserem Freizeitbeschäftigungen. Wir erzählen, was wir schon alles gelernt haben oder was wir noch lernen möchten. 
Dieses Gedankenkonstrukt zu hinterfragen, bedeutet oft auch, das Sein an sich in Zweifel zu ziehen. Und da wir im Traum ohnehin wach sind und aktiv nachdenken, sei die Frage erlaubt, welche Spielfläche sich hier für die eigene Sinnfindung und Veränderung von Verhaltensmustern ergibt. 

Hast du schon mal genau beobachtet, wie du dich im Traum verhältst? Bist du passiv, läufst du anderen hinterher, flüchtest du oft vor Gefahren und reagierst nur auf das, was andere tun? 
Oder bist du in deinen Träumen ein aktiver Anführer, der das Geschehen bestimmt? 

An anderer Stelle bin ich bereits auf das Thema Luzides Träumen eingegangen, das eine noch stärkere willentliche Kontrolle über das Traumgeschehen ermöglicht. 
Meine Fragen zielen aber auf etwas anderes ab: Wenn du nicht bewusst klarträumst, was passiert dann in denen Träumen? 

Ich habe festgestellt, dass ich die meiste Zeit auf irgendeinem Weg laufe, es eine Veränderung oder Gefahr von außen gibt, auf diese muss ich reagieren. Und so bechreiben es meine Klienten ebenfalls immer wieder. 
Wir halten fest: In diesem Muster stehe ich vor einem Problem in meinem Alltag, das plötzlich auftaucht und gelöst werden muss. Die einzelnen Symbole zeigen dann konkret, worum es bei dem Problem geht. Meistens leiden Menschen sogar darunter, dass ihnen im Traum etwas passiert ist und dieses Gefühl des Entsetzens, der Ohnmacht, auch das Erstaunen über die Intensität des Traumerlebens bleiben noch lange im Wachleben bestehen. 

Nur selten habe ich - ohne bewusst zu denken, dass ich träume - entschieden, ein Bild nicht sehen zu wollen, einen Ort verlassen zu wollen und ähnliches. Oftmals hatte ich sogar das bestimmte Gefühl, an einen konkreten Ort gehen zu müssen, ohne dass ich sagen könnte, warum. In aller Regel erreiche ich dabei den Zielort gar nicht, weil ein Problem auftaucht und mich vom Weitergehen abhält. 

Du siehst, worauf das hinaus läuft: Ich reagiere im Leben vor allem auf äußere Umstände, nehme jedoch selbst wenig in die Hand, um meinen Weg selbst zu bestimmen. Egal wie viel ich konkret entscheide und umsetze, ich komme meistens nicht aus dem Zustand der Reaktion in die Aktion - genau das ist jedoch notwendig, um sich tatsächlich weiterzuentwickeln und das Leben grundsätzlich neu auszurichten. Ansonsten reproduziert man lediglich frühere erfolgreiche Verhaltensmuster! 

Die Debatte um den Freien Willen kann ich an anderer Stelle noch einmal anschneiden. Auch das ist ein sehr spannendes Thema, bei dem die verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen schon wichtige Hinweise gebracht haben. 

Jetzt geht es also darum: 


Und nun bin ich gespannt:
Erkennst du, wer du wirklich bist, wenn du träumst?


Wie immer steht die Kommentarsektion für deine Ansichten, Erfahrungen und Insights offen. Lass andere wissen, auf welchem Weg du dich befindest! 

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